Montag, 14. Mai 2012
Keturah - Gefährtin des Todes
KETURAH – Gefährtin des Todes
Von Martine Leavitt
Hanser München 2010, 237 S., ISBN 978-3-446-23475-8, €14.90

„…Eine kaum glaubhafte Geschichte für jeden, der sich noch nie in den Wäldern verirrt hat…’’
So beginnt KETURAH. Bereits das Cover vermag es, einem eine Gänsehaut über den Rücken zu jagen, und während man bereits neugierig ist, wer die Gestalt im Umhang sein mag, ist spätestens das Interesse nach den ersten Sätzen der Geschichte in eigenartige Besessenheit ausgeartet. Nun will man es genau wissen! – Wie geht die Geschichte um Kethura, die im Wald dem Tod begegnet, aus?
Je mehr wir über „Gevatter Tod“ hören, desto sympathischer wird er einem. Man ist sich bewußt, wie seltsam das ist, sogar wenn es sich doch nur um eine Geschichte handelt. Der Tod ist eben immer noch irgendwie tabu, über ihn als schöne, dunkle und eben nicht immer nur traurige oder grausame Gestalt ein Buch zu verfassen ist schon fast revolutionär. Besonders im Hinblick darauf, da es sich um eine Liebesgeschichte handelt.
Aber wird Kethura dem Tod die Hand reichen oder mit dem Gutsherrensohn John Temsland glücklich auf dessen Burg leben?
Eigentlich scheint diese Frage eine rethorische zu sein…doch nicht in diesem Buch. Hier ist oben unten, und schwarz weiß.
Eine völlig neue Gefühlswelt und nie gewagte Gedankengänge präsentiert Martine Leavitt hier dem Leser, der sich sofort in eine Art Bann gezogen fühlt von der schlichten und doch gleichsam erhabenen Sprache.
Die Struktur des Buches ist für heutige Fantasyverhältnisse simpel, es gibt keine dutzend Charaktere, deren Lebensgeschichten kompliziert miteinander verstrickt sind; auch ist KETHURA mit 237 Seiten kein Wälzer. Das ist sympathisch in einer Zeit, in der Fantasybücher nur noch als Reihe und/oder nicht unter 500 Seiten daherkommen.
KETHURA ist Fantasy im Stile eines Märchens; es ist unmöglich, nicht ins Träumen (wenn nicht sogar schwärmen) zu geraten, gleichzeitig gruselt man sich ob der Thematik doch etwas. Und das Happy End bringt einen eher zum nachdenken, als Begeisterungsstürme heraufzubeschwören.
Etwas anderes hätte zu diesem schönen, stillen Roman auch nicht gepaßt.
Gänsehaut!

Erin Banks

... link (0 Kommentare)   ... comment